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Leichenschmaus - braucht man das wirklich?
Der Begriff klingt im ersten Moment vielleicht ein bisschen altmodisch. „Leichenschmaus“, da schwingt irgendwie etwas Schweres mit. Und trotzdem gehört er für viele Familien nach einer Beerdigung ganz selbstverständlich dazu: das gemeinsame Essen im Kreis der Trauergäste. Aber wozu eigentlich? Und ist das wirklich für jeden passend?
Warum ein Leichenschmaus gut tun kann!?
Eine Beerdigung ist anstrengend. Emotional, körperlich, irgendwie alles auf einmal. Man steht unter Spannung, kämpft mit Erinnerungen und Gefühlen, vielleicht auch mit dem vielen Organisatorischen. Und dann, wenn die Zeremonie vorbei ist, sitzt man plötzlich da - leer, erschöpft, müde.
Genau da kommt der Leichenschmaus ins Spiel. Er schafft einen Moment des Durchatmens. Man sitzt zusammen, trinkt eine Tasse Kaffee, isst vielleicht ein Stück Kuchen oder eine Suppe. Es wird leiser. Wärmer. Manche reden über den Verstorbenen, erzählen kleine Geschichten. Andere schweigen einfach und sind froh, nicht allein zu sein.
Das gemeinsame Essen kann wie ein Brückenschlag sein: von der Schwere des Abschieds zurück ins Leben. Und es tut oft gut, dabei nicht nur zu trauern, sondern auch ein bisschen Normalität zu spüren.
Aber: Es muss nicht für alle passen
Natürlich gibt es auch Gründe, die dagegen sprechen. Manche empfinden so ein Treffen als belastend. Vielleicht, weil sie lieber für sich sein möchten. Oder weil sie keine Lust haben, mit Menschen Smalltalk zu halten, denen sie sonst nie begegnen würden.
Manchmal wirkt ein Leichenschmaus sogar fast unpassend – wenn es zu laut, zu oberflächlich oder zu steif wird. Oder wenn die Kosten für die Familie eine zusätzliche Sorge darstellen, die gerade niemand gebrauchen kann.
Es ist also völlig in Ordnung, zu sagen: Nein, das möchten wir nicht. Es gibt keine Pflicht, und niemand sollte sich gezwungen fühlen.
“Wie ein gut verbrachter Tag einen glücklichen Schlaf beschert, so beschert ein gut verbrachtes Leben einen glücklichen Tod.”
(Leonardo da Vinci)
Der Leichenschmaus: Zwischen Tradition und persönlichem Weg
Der Leichenschmaus ist in Deutschland ein Ritual. Und Rituale können unglaublich wertvoll sein - oder eben auch nicht. Entscheidend ist, was sich für Sie und Ihre Familie richtig anfühlt.
Vielleicht möchten Sie nach der Beerdigung einfach im kleinen Kreis zusammensitzen. Vielleicht lieber zu Hause, ganz privat. Vielleicht reicht ein Spaziergang oder ein stiller Kaffee mit den engsten Menschen. Alles ist erlaubt.
Und vielleicht spüren Sie auch: Ja, ein gemeinsames Essen hilft uns. Dann nehmen Sie es an – ohne schlechtes Gewissen. Denn im Kern geht es nicht ums Essen selbst, sondern ums Miteinander.
Praktische Tipps rund um den Leichenschmaus
Ort wählen:
Traditionell findet der Leichenschmaus oft in einem Gasthaus oder Café in der Nähe des Friedhofs statt. Aber er kann genauso gut zu Hause stattfinden. Ganz privat, ganz schlicht.
Einfach halten:
Es muss kein großes Menü sein. Kaffee, Kuchen, belegte Brötchen oder eine Suppe reichen völlig aus. Es geht nicht ums Essen selbst, sondern um das Zusammensein.
Einladung:
Sie können die Trauergäste direkt nach der Beerdigung zum Essen einladen oder schon in der Traueranzeige darauf hinweisen. Wichtig ist nur, dass es klar und herzlich kommuniziert wird.
Atmosphäre schaffen:
Wählen Sie das, was sich für Sie stimmig anfühlt. Ein Raum, in dem man reden kann, aber nicht muss. Vielleicht leise Musik im Hintergrund. Vielleicht ein paar Fotos oder Kerzen.
Alternativen:
Wenn Sie keinen klassischen Leichenschmaus möchten, können Sie auch etwas anderes tun: einen Spaziergang, eine stille Tasse Tee mit den engsten Angehörigen, ein gemeinsames Anzünden von Kerzen oder einfach Zeit in Stille.
Gegen das Vergessen!
Niemand, der geliebt wurde, sollte vergessen werden. Halten Sie daher die wertvollen Erinnerungen an die Verstorbenen auch für die nachfolgenden Generationen lebendig.
Autor: Robert Junker